Hörfunk

Die Entwicklung des privaten Hörfunks in Baden-Württemberg

Im Jahr 1986 wurde in das damalige Landesmediengesetz (LMedienG) die Möglichkeit aufgenommen, UKW-Frequenzen nicht nur an den öffentlich-rechtlichen Hörfunk, sondern auch an private Veranstalter zu vergeben. Hiervon machte die kurz zuvor als Lizenz- und Aufsichtsbehörde für den privaten Rundfunk ins Leben gerufene LFK auch Gebrauch. Sie schrieb Ende des Jahres 1986 die ersten Frequenzen für privates Radio aus, die in den Folgejahren zugewiesen wurden. Bei der Lizenzvergabe wurden möglichst mehrere Veranstalter in einem Verbreitungsgebiet zugelassen, die sich die Sendezeit auf einer Frequenz teilten (sog. Sendezeitensplitting). Hierdurch wollte man den Vorgaben des LMedienG im Hinblick auf außenplurale Vielfalt Rechnung tragen. Diese Frequenzvergabepraxis führte zu einer äußerst gedrängten Hörfunklandschaft, die aus mehr als 30 Regionalsendern und annähernd 40 Lokalsendern bestand.

Diese Vielfalt der Veranstalter erwies sich als nicht unproblematisch: Zum einen merkte man, dass ein Sendezeitensplitting bei kommerziellen Sendern nicht sinnvoll war; teilweise wurden völlig unterschiedliche Radioformate innerhalb von 24 Stunden über ein und dieselbe Frequenz ausgestrahlt, was ein uneinheitliches Programm und eine fehlende Durch-hörbarkeit einer Frequenz zur Folge hatte. Daher wurde bei kommerziellen Sendern das Sendezeitensplitting beendet.

Zum anderen zeigte sich recht bald, dass die kleinen Verbreitungsgebiete mit mehreren Veranstaltern von Lokal- bzw. Regionalsendern zu einer erheblichen Konkurrenzsituation führten, die in wirtschaftlicher Hinsicht einen auf 24 Stunden angelegten Betrieb eines Hörfunksenders außerordentlich schwierig machte. Hinzu traten noch fernmeldetechnische und -rechtliche Probleme. Deshalb beschloss man für die zweite Lizenzierungsperiode (1994 bis 2002) die Anzahl der Lokal- und Regionalsender zu Gunsten von größeren Verbreitungsgebieten erheblich zu reduzieren.

Die neu entwickelte Struktur von drei Regionalsendern und einer deutlich reduzierten Zahl von Lokalsendern wurde auch in der dritten Lizenzperiode (2002 bis 2010) weiterentwickelt und besteht auch heute fort. Ergänzt wurde diese 1999 um ein landesweites Jugendradio: Durch die Fusion des SDR mit dem SWF zum SWR wurden UKW-Frequenzen frei, die für ein landesweites Jugendradio ausgeschrieben wurden. Später kamen noch weitere private kommerzielle Hörfunkangebote (sog. Nr.7-Programme) hinzu. Diese sind nicht lokal oder regional ausgerichtet, sondern zeichnen sich durch eine besondere inhaltliche – meist musikalische – Ausrichtung aus.

Nichtkommerzielle Sender

Parallel zur Entwicklung des kommerziellen Rundfunks bildeten sich auch mehrere nichtkommerzielle Radioinitiativen. Diese Bewegung führte dazu, dass der Gesetzgeber die Medienlandschaft um private nichtkommerzielle Sender ergänzte. Die Idee hierbei war, das Medium Radio für Bürgerinnen und Bürger zu öffnen und ihnen die Möglichkeit zu geben, Themen und Inhalte zu platzieren, welche die bestehenden öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Hörfunkveranstalter nicht oder nicht genügend abdecken. Hiervon versprach man sich einen weiteren Beitrag zur Meinungsvielfalt in der baden-württembergischen Hörfunklandschaft.

Dabei sollten die nichtkommerziellen Sender aber nicht als weitere Konkurrenz in den hart umkämpften Werbemarkt der privaten und öffentlich-rechtlichen Sender hinzutreten. Aus diesem Grunde dürfen sie nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet sein, sondern finanzieren sich  aus Fördermitteln der LFK, Mitgliederbeiträgen, Sach- und Geldspenden sowie Fördermitteln verschiedener Institutionen. Unerlässlich für den laufenden Sendebetrieb ist jedoch die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder.

Durch eine Novelle des LMedienG Anfang der 90er Jahre wurden die rechtlichen Voraussetzungen für eine Lizenzierung von Veranstaltern nichtkommerziellen Lokalfunks (NKL) geschaffen. Die wesentlichen Merkmale und gesetzlichen Auswahlkriterien sind dabei, dass die Veranstalter erstens keine kommerziellen Interessen verfolgen – zwar dürfen sie Einnahmen aus Werbung erzielen, aber dies nur zur Deckung ihrer Kosten –, zweitens einen Beitrag zur Meinungsvielfalt leisten und drittens müssen sie zugangsoffen sein, das heißt durch ihre Organisationsstruktur den Zugang verschiedener gesellschaftlicher Kräfte zum Rundfunk sicherstellen. Wie der Name „Lokalfunk“ schon vorwegnimmt, ist hierbei die Verbreitung meistens auf ein lokales Gebiet beschränkt.

Bereits in der ersten NKL-Lizenzperiode Mitte der 90er Jahre wurden auch Universitäten als NKL zugelassen. Als ihr Vorbild dienten vor allem die an amerikanischen Universitäten bestehenden Campusradios. Durch die Uniradios schafften die Universitäten und Ausbildungsinstitute für ihre Studenten besondere Angebote zur Zusatzqualifikation. Da man schnell merkte, dass bei vielen Campusradios mehr das Erlernen des aktiven Umgangs mit Medien, die Förderung von Medienkompetenz und die Vermittlung der Grundlagen der Programmveranstaltung im Vordergrund stehen, die Aus- und Zielrichtung also oft anders ist als bei NKL, entschied man sich, hier eine eigene Radiokategorie zu schaffen. So besteht seit 2003 nach dem baden-württembergischen Landesmediengesetz die Möglichkeit, Frequenzen für sog. Lernradios aus- und zuzuweisen. Die Zuweisung soll hier an diejenigen erfolgen, die am besten geeignet erscheinen, zur Verwirklichung der in der Ausschreibung näher beschriebenen Förderziele beizutragen und zugleich einen Beitrag zur Meinungsvielfalt zu leisten. 

Aktuelle Situation

Heute sind in Baden-Württemberg

- ein landesweites Jugendradio (bigFM)

- dreizehn Lokalveranstalter (baden.fmDie neue 107.7die neue welle, DONAU 3 FM, Energy Böblingen, Calw, Freudenstadt, Energy Region Stuttgart, Hitradio Ohr, Radio Neckarburg, Radio Seefunk, Radio Ton Heilbronn/Franken, Radio Ton Neckar Alb, Radio Ton Ostwürttemberg, sunshine live)

- drei Regionalveranstalter (antenne 1, Radio 7, Radio Regenbogen)

auf Sendung und über UKW und in den betreffenden Kabelnetzen analog und digital zu empfangen.

Hinzu kommen

- zwölf Veranstalter nichtkommerziellen Lokalfunks (NKL) (bermuda.funk, Freies Radio Freudenstadt, Freies Radio für Stuttgart, helle welle, Freies Radio Wiesental, Querfunk, radioativ, Radio Dreyeckland, Radio Free FM, Radio Kormista, StHörfunk, Wüste Welle)

- fünf Lernradios: echo-fm 88,4 (Hochschulradio Freiburg), horads 88,6 (Hochschulradio Stuttgart), LernRadio (Hochschule für Musik Karlsruhe), Uni-Welle Tübingen und PH 88,4 der PH Freiburg, die ebenfalls über UKW senden

- vier weitere kommerzielle Hörfunkveranstalter über UKW (sog. Nr. 7-Programme) (Klassik Radio, Metropol FM, Flux FM und das bundesweit ausgerichtete Programm von sunshine live

Digitalisierung

Die Digitalisierung des Hörfunks nimmt auch in Baden-Württemberg Fahrt auf. Nach dem Start des bundesweiten DAB+-Multiplexes mit den bundesweit zu empfangenden Programmen von Deutschlandradio und privaten Anbietern im Sommer 2011 kamen mittlerweile in Baden-Württemberg die SWR-Programme sowie die privaten Programme Schwarzwaldradio, bigFM Worldbeats, Live Radio und egoFM hinzu. 

Weitere Informationen zu DAB+ finden Sie hier.

Anbieter

Die aktuelle Liste mit den Anschriften der Hörfunkanbieter in Baden-Württemberg steht Ihnen im Online-Angebot der LFK zur Verfügung.
Private Hörfunkanbieter in Baden-Württemberg